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10.11.2017 15:25

Warum entsteht Juckreiz wenn Wunden heilen?

Juckreiz bei Wundheilung ist ein bekanntes Phänomen. Erst schmerzt die Verletzung, dann bildet sich Schorf und es beginnt zu Jucken. Jetzt ist die Verlockung groß, dem Juckreiz nachzugeben und den Schorf abzukratzen. Warum ist das eigentlich so? Und ist dieser Juckreiz ein gutes Zeichen?

Die körpereigene Wundheilung ist ein sehr komplexer Prozess. Zunächst müssen Blutungen gestoppt und die verletzten Gefäße verschlossen werden. Danach beginnt der Abtransport von toten Zellen, beschädigtem Gewebe, Schmutz und Keimen. Gleichzeitig muss eine temporäre Schutzschicht (Schorf) aufgebaut werden, um Infektionen zu verhindern. Darunter werden neue Blutgefäße, Bindegewebe und schließlich neue Hautschichten gebildet. Damit dies alles reibungslos funktioniert, schütten die am Heilungsprozess beteiligten Zellen verschiedene Botenstoffe aus. So kommunizieren sie untereinander bzw. mit dem Rückenmark und stellen sicher, dass jede Zelle genau weiß, was wann zu tun ist.

Für den Juckreiz beim Heilungsprozess ist vor allem der Botenstoff Histamin verantwortlich. Er wird von den sogenannten Fresszellen (Makrophagen) aktiviert, die bereits in der ersten Phase der Wundheilung zur Stelle sind. Das Histamin hat gleich zwei wichtige Funktionen: Es löst eine lokale Entzündungsreaktion aus, um die Durchblutung der Wunde anzuregen. Dadurch entsteht ein Wundsekret, das Zelltrümmer, Fremdkörper und Bakterien aus der Wunde schwemmt und den Heilungsprozess beschleunigt. Gleichzeitig reizt das Histamin die Nervenzellen rund um die verheilende Wunde. So wird dem Gehirn über das Rückenmark mitgeteilt, dass gerade „Reparaturmaßnahmen“ im Gange sind und die Wundheilung nach Plan verläuft. Was eigentlich ein positives Signal ist, nimmt das Gehirn als leichten Schmerz und Juckreiz wahr.

Juckreiz bedeutet also, dass unsere Immunzellen fleißig arbeiten und neue Hautschichten bilden. Dabei sollte man sie auf keinen Fall stören. Auch wenn es noch so schwerfällt: Finger weg und nicht kratzen!

Juckreiz bei trockener Haut

Nicht nur akute Verletzungen jucken beim Heilen. Juckreiz am ganzen Körper kann zum Beispiel durch sehr trockene rissige Haut entstehen. Von einer trockenen Haut (Cutis) wird gesprochen, wenn die Haut vermehrt einen Verlust von Feuchtigkeit und Fett aufweist. In vielen Fällen ist eine gestörte Lipidbarriere die Ursache für das starke Austrocknen. Der Juckreiz entsteht hierbei durch mechanischen Stress. Ausgelöst wird das Signal durch Nervenstränge in der oberen Hautschicht (Epidermis), die bei ausgetrockneten oder rissigen Hautpartien gereizt werden und dem Immunsystem über das Rückenmark signalisieren, dass etwas mit der Schutzschicht des Menschen nicht in Ordnung ist. Diese Art von mechanischem Stress ist ein natürlicher Reflex und wird beispielsweise auch hervorgerufen, wenn Insekten auf der Haut krabbeln. Dadurch soll die Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gelenkt werden, um den Mensch vor einer potenziellen Gefahr zu warnen. 

Abbildung einer Betroffenen, die unter Juckreiz leidet

Warum Kratzen bei Juckreiz schädlich sein kann

Ob nun durch Austrocknung oder Verletzung – der erste natürliche Instinkt ist das Kratzen an den gereizten Hautstellen. Doch auch wenn es schwerfällt: Wenn die Haut beim Heilungsprozess juckt, sollte Kratzen unbedingt vermieden werden. Die Wundheilung bewirkt, dass sich am äußeren Rand der Wunde neue Zellen bilden und nach innen, zur Basis der Wunde wandern. Diese neuen Zellen legen sich als Schorf über die offene Hautstelle und verhindern, dass die Verletzung durch Bakterien oder Fremdkörper infiziert wird. Gleichzeitig wird das neue Gewebe geschützt, dass sich darunter bildet. In dieser Heilungsphase ist es besonders wichtig, dem Juckreiz nicht nachzugeben und den neu entstandenen Schorf nicht zu entfernen. Dies beschädigt die darunterliegende Haut und fördert die Narbenbildung. Insgesamt verlängert sich dadurch der Heilungsprozess und damit auch die Dauer des Juckreizes. Das Problem dabei: Die Bewegung während der Schorfbildung erzeugt eine Belastung auf der Haut, die oft als Ziehen wahrgenommen wird. Hinzu kommt, dass die darunterliegenden, neu gebildeten Hautschichten noch sehr weich und sensibel sind, ganz im Gegensatz zum harten Schorf. Dies verursacht Spannungen, die den Juckreiz enorm verstärken können. Abhilfe können Pflegemittel schaffen, die beruhigend auf die betroffenen Hautpartien wirken und den Juckreiz lindern. Ist die Wunde weitestgehend verheilt, verschwindet der Juckreiz von allein.

Was verzögert die Wundheilung?

Nicht jede Wunde oder Austrocknung verheilt gleich schnell. Verschiedene Faktoren können den Heilungsprozess verlangsamen. Eine verminderte Hautdurchblutung oder ein geschwächtes Immunsystem wirken sich negativ auf die Wundheilung aus. Das kann zum Beispiel im hohen Alter der Fall sein, aber auch bei schweren Grunderkrankungen wie Diabetes, Blutarmut oder arteriellen Durchblutungsstörungen sowie während der Einnahme von Medikamente mit Gerinnungshemmern, immunsystem-unterdrückenden Wirkstoffen oder Kortison. Ein wichtiger Faktor ist auch die Ernährung. Eine Wunde kann sich nur dann optimal wieder verschließen, wenn der Körper alle nötigen Nährstoffe zur Verfügung hat, um genügend neues Gewebe zu produzieren. Mangelernährung oder Vitaminmangel schaden daher. Ein Vitamin C-Mangel stört zum Beispiel die Kollagenbildung, Calcium- und Eiweißmangel behindert die normale Blutgerinnung in der Wunde. Auch Übergewicht kann sich negativ auf den Heilungsprozess auswirken, da dies die Sauerstoffversorgung der Zellen herabsetzt. Natürlich spielt auch die Psyche eine Rolle. Kleine Kinder oder Menschen, die ein dünnes Nervenkostüm haben (und denen sprichwörtlich gewisse Dinge schneller „auf die Nerven gehen“), halten den Juckreiz während der Heilung oft schlechter aus und kratzen den Schorf immer wieder ab. Dies hat nicht nur eine Vernarbung der Haut, sondern auch eine verzögerte Wundheilung zur Folge. Grundsätzlich muss eine Wunde regelmäßig gesäubert und gepflegt werden. Wer aus physischen oder psychischen Gründen nicht dazu in der Lage ist, sollte unbedingt Hilfe aufsuchen. Wird die Wunde nicht sauber gehalten, können neben Bakterien auch Parasiten, Pilzen und Viren in der offenen Hautstelle nisten und neue gravierende Entzündungen auf der Haut auslösen. Einen ähnlichen Effekt hat mechanische Reibung auf der Haut durch enge Kleidung oder reizende Stoffe. Auch übermäßiges Baden mit Seifen, die nicht pH-neutral sind oder der Einfluss starker UV-Strahlung reizt die Haut. Dabei ist egal, ob die Strahlen durch die Sonne oder künstlich im Solarium auf die Haut gelangen. Bis die Wunde vollständig verheilt ist, sollte auf ein ausgiebiges (Sonnen-) Bad verzichtet werden. 

Abbildung einer Frau, die sich am Arm juckt

Tipps bei Juckreiz

Ein universelles Rezept gegen juckende Haut gibt es nicht, außer vielleicht dies: Heilende Haut braucht Ruhe. Darüber hinaus lässt sich die Regeneration mit kleinen Tricks und Tipps beschleunigen.
  1. Bei Juckreiz durch sehr trockene, schuppige Haut kann es helfen, sich sanft mit pH-neutraler Pflegeseife und lauwarmem Wasser zu waschen, um abgestorbene Zellen zu entfernen, die Reizungen verursachen können.
  2. Offene Wunden sollten immer durch sterile Pflaster oder Verbände geschützt werden, um schädliche Bakterien fernzuhalten. Auch bei besonders gereizten Stellen durch Austrocknung kann ein Wundverband helfen, um Reibung durch Kleidung zu verhindern. Für alle anderen juckenden Stellen gilt: Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, sollte man so oft es geht frische Luft an die Haut lassen. Atmungsaktive, natürliche Kleidung, die nicht zu eng anliegt, hilft dabei.
  3. Nicht nur mechanische Reibung durch Kleidung oder Kratzen sollten bei Juckreiz vermieden werden, sondern auch Reizung durch starke Temperaturschwankungen, trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, reizende Putzund Waschmittel, heiße Duschen oder Bäder.
  4. Bei sehr starkem Juckreiz können Kühlpads Abhilfe schaffen. Kälte wird allerdings von vielen als unangenehm empfunden und bewirkt eine Reizung der Nerven. Aber es wirkt: Kälte kann den Juckreiz beruhigen, da dadurch die Nerven regelrecht betäubt werden. Die Leitungsgeschwindigkeit der Nerven verlangsamt sich, ebenso wie die Aktivität der Schmerzrezeptoren an der Wunde. Aber Vorsicht: Kaltkompressen sollten nur kurz und niemals direkt auf die Haut gelegt werden, da es zu Hautverletzungen kommen kann, vergleichbar mit Verbrennungen bei starker Hitze.
  5. Bei trockener Haut gilt: Je stärker ausgeprägt der Juckreiz ist, desto mehr Ruhe und Unterstützung benötigt die Haut. Wenn der Juckreiz andauert oder zu stark wird, können juckreizstillende Salben helfen. Auch sanfte Massagen können den natürlichen Heilungsprozess der Haut fördern. Besonders wichtig sind rückfettende Cremes, die hochwertige Öle wie etwa Kokosöl enthalten. Aufgrund der milden Formel ist auch die Sorion Creme bestens geeignet, um trockene, gereizte oder juckende Haut zu pflegen.