25.05.2020 13:04

Balance stärkt das Immunsystem

Ayurveda ist die traditionelle indische Lehre für ganzheitliche Gesundheit. Ayurveda betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Befinden sich diese drei Bausteine im Gleichgewicht, bildet dies die Grundlage für den Erhalt der Gesundheit. Das psychische Befinden hat demnach einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung einer jeden Krankheit.

Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen, die wir gerade durchleben, ist es wichtig, für eine gute Balance auf allen Ebenen zu sorgen. Jeder von uns hat unterschiedliche Bedürfnisse, Stärken und Schwachstellen. Im Ayurveda wird die Begründung hierfür in der individuellen Konstitution festgelegt, den drei „Doshas“.

Das Gleichgewicht der Doshas

Jeder, der sich schon einmal mit Ayurveda beschäftigt hat, kennt diese essenziellen Begriffe, die den Konstitutionstyp jedes Menschen bestimmen. Die Basis der einzelnen Doshas bilden die in uns wirkenden fünf Elemente Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Sie prägen ein jedes Lebewesen durch das unterschiedliche Zusammenspiel der Anteile, und erklären somit die Einzigartigkeit jedes Individuums. 

  • VATA - Äther & Luft  (Bewegung)
  • PITTA - Feuer & wenig Wasser (Umwandlung)
  • KAPHA - Wasser & Erde (Zusammenhalt)

Die Gewichtung der Doshas wird bereits bei der Entwicklung im Mutterleib festgelegt. Sind alle Elemente im Gleichgewicht, bleiben wir gesund und munter. Prävention zur Vermeidung von Krankheit ist dabei oberstes Gebot. Ein reibungsloser Stoffwechsel mit ungehinderter Ausscheidung der Abfallprodukte verhindert die Ansammlung von Giftstoffen im Körper und bildet die Grundlage eines starken immunsystems. Diese Balance ist sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene wichtig. Denn wenn Ängste und Sorgen über einen längeren Zeitraum bestehen, kann dies das Immunsystem ebenso schwächen wie körperliche Überlastungen.

Ayurveda zielt auf ein Gleichgewicht der Doshas ab, um Krankheiten vorzubeugen.

Jeder Dosha-Typ reagiert anders

Zurzeit beschäftigen uns Dinge, die wir nicht beeinflussen können, weil sie von außen kommen. Der normale Tagesablauf wird komplett durcheinandergewirbelt, eine gewisse Lähmung, Sorge und Unsicherheit macht sich breit. Aufgrund der unterschiedlichen Gewichtung der Elemente sind manche Doshas anfälliger für Krankheiten als andere. Da ein Vata dominanter Mensch sich sowieso schnell Sorgen macht, wird es ihn mehr beeinflussen, als ein Kapha dominanter Mensch, der sich die Situation erstmal in Ruhe ansieht, während ein Pitta dominierter Mensch es gar nicht abwarten kann, wieder loszulegen.

Die aktuelle Situation kann auf psychischer Ebene eine große Belastung und Herausforderung sein. Anstatt sich Sorgen zu machen, sollten wir die Energie des Umbruchs lieber positiv nutzen, uns um uns selbst kümmern und das Immunsystem stärken.

Empfehlungen zur Unterstützung des Immunsystems

Die Ayurvedische Morgenroutine

  • Zwei Gläser heißes Wasser direkt nach dem Aufstehen trinken, denn so wird der Magen-Darm-Trakt, das Zentrum unserer Immunabwehr, gereinigt und aktiviert. Diese simple Methode fördert den Sauerstofftransport in den Zellen, den Abtransport der Toxine, die Aktivierung des Lymphsystems und des gesamten Stoffwechsels, was den Körper weniger anfällig für Erreger und Krankheiten macht.
  • Das sogenannte Ölziehen (Gandusha) stabilisiert die Mundflora und schützt vor Erkältungskrankheiten: Sesamöl oder Gandusha Thailam (spezielles Ayurveda-Kräuteröl) im heißen Wasserbad erwärmen (Vorsicht, nicht zu heiß werden lassen), davon 1 EL im Mund hin und her bewegen bis es emulgiert und die Giftstoffe sich daran gebunden haben; das kann zu Anfang gewöhnungsbedürftig sein, aber es lohnt sich von anfangs 2-3 Minuten auf 5 Minuten zu steigern; Öl bitte im Mülleimer entsorgen und nicht im Waschbecken – der Umwelt zuliebe; danach die Zähne putzen und die Zunge schaben.
  • Nach der Körperreinigung und -pflege in jedes Nasenloch etwas Ghee (ayurvedisches Butterfett) oder Sesamöl einmassieren, das bildet eine Barriere gegen Eindringlinge wie Bakterien und Viren.
  • Ein kleines Wohlfühl-Ritual am Morgen hilft, den Tag mit positiver Energie zu begrüßen: In frischer Luft, z.B. am offenen Fenster, einige Atemübungen (Pranayama) ausführen oder einfach einige Minuten lang bewusste, möglichst tiefe Atemzüge nehmen; wer genügend Zeit hat, kann das mit einigen Yogaübungen und/oder Meditation verbinden; das schafft Struktur und hilft in einen freudigen Tageseinstieg.
  • Ein leichtes Frühstück, möglichst vegetarisch, mit viel frischem Obst, und der Tag wird dein Freund sein.
  • In Grippe- und Stresszeiten kann auch 1 TL Amla Fruchtmus (Chyavanprash) als tägliches Stärkungsmittel eingenommen werden.

Ayurvedische Frühjahrskur und gesunde Ernährung

Im Ayurveda ist jetzt außerdem die Zeit für eine typische Frühjahrskur. Mit viel Bewegung an frischer Luft, Meditation, Yoga und der Aufnahme von bitteren Gemüsen und Kräutern wird der Organismus auf allen Ebenen entgiftet. Frisch zubereitete Speisen stärken zudem den Organismus und geben ein Gefühl von Zufriedenheit. Empfehlenswert sind viel frisches Gemüse der Saison, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, am besten mit verdauungsfördernden Gewürzen wie Kreuzkümmel und Koriander, Ingwer oder Kurkuma zubereitet.

Kräuter und Heilpflanzen spielen in der ayurvedischen Heilkunst eine zentrale Rolle.

Immunstärkende Heilkräuter und Rezepte

Da Ayurveda empfiehlt, auch die Pflanzen aus dem eigenen Lebensraum einzusetzen, müssen wir nicht unbedingt in Asia-Geschäfte rennen, sondern können auch aus einem reichhaltigen Schatz an heimischen Wildkräutern schöpfen. Um die Abwehrkräfte zu stärken, empfiehlt es sich, mindestens eine Woche lang täglich 1-2 Tassen von einem der nachfolgenden Tees zu trinken:

Die Ingwerwurzel ist antibakteriell, magenstärkend, gut bei Übelkeit, schleimlösend und auswurffördernd, zur Anregung der Verdauungsenergie; nützlich bei Erkältungskrankheiten, Bronchitis und Halsentzündung:
Zubereitung Ingwertee: 500 ml Wasser zum Kochen bringen, 3 cm frische Ingwerwurzel, geschält und in kleine Stücke geschnitten, hinzufügen und je nach gewünschter Stärke des Tees 10-45 Minuten köcheln; Abseihen und etwas Honig und Zitrone einrühren. Ein etwas aufwändigeres Erkältungstee-Rezept mit Ingwer finden Sie hier.
 

Kurkuma (Gelbwurz) ist ebenfalls eine immunstärkende Wurzel; sie wird hierzulande meistens als Pulver verwendet; zunehmend findet man aber auch die frische Wurzel im Biohandel; Kurkuma ist entzündungshemmend, blutreinigend, antibakteriell, und gilt als  natürliches Antibiotikum, sie zählt zu den wertvollsten Kräuter-Zutaten der ayurvedischen Küche und ist Grundlage für Kurkuma-Latte (Golden Milk).
Zubereitung Kurkuma-Latte: die klassische Kurkuma-Milch wird in Indien mit Kuhmilch zubereitet, kann aber auch als vegane Alternative zubereitet werden: 1 Becher Kuhmilch ca. 240 ml (traditionelles Rezept) oder Pflanzenmilch (vegan, z.B. Hafermilch) zusammen mit 1 cm fein geschnittenem Ingwer, 1 aufgebrochenen Kardamomkapsel, 1 TL Kurkumapulver (oder 1,5 cm frische Wurzel, sehr fein geschnitten) und 1 guten Prise schwarzen Pfeffer in einen Topf geben und auf kleiner Flamme ca. 15 Minuten köcheln; abseihen und auf Wunsch mit Ahornsirup oder Honig süßen. Ein etwas aufwändigeres veganes Rezept mit frischem Kurkuma finden Sie hier, wobei aus ayurvedischer Sicht die Kuhmilch ein wichtiger Bestandteil ist, der die Wirkung verstärkt.

Brennnessel ist ein heimisches Wildkraut unserer Region und hat viele wertvolle Inhaltsstoffe, darunter Vitamin A, B, C, Kieselsäure; einen sehr hohen Anteil an Eisen; eine der besten Pflanzen zur Blutreinigung und Entgiftung, findet auch Anwendung bei Hautirritationen.
Zubereitung Brennnesselspritz (ein mineralstoffreiches Erfrischungsgetränk): ca. 10 Stiele frische Brennnesseln vor der Blüte (gut gereinigt), in ein 5 Liter fassendes Gefäß geben, 1 ungespritzte Bio Zitrone, gewaschen, in Scheiben geschnitten, und 2 getrocknete Feigen in Stücke geschnitten, hinzufügen. Mit stillem Wasser oder Quellwasser auffüllen und 12 Stunden ziehen lassen; abseihen, in Flaschen abfüllen und kühl stellen – hält sich ca. 5 Tage im Kühlschrank.

Echter Salbei (Salvia officinalis) ist ebenfalls ein heimisches Allroundtalent, wenn es um die Abwehrkräfte geht.  Seine pelzigen Blätter sind reich an ätherischen Ölen und Bitterstoffen, die die Durchblutung anregen, desinfizierend und keimtötend wirken. Die enthaltenden Gerbstoffe fördern zudem die Schleimlösung, stärken das Gewebe und beugen Zahnfleisch- und Mandelentzündungen vor.
Zubereitung Salbeitee: Etwa drei Gramm Blätter mit 150 Milliliter kochendem Wasser aufgießen und zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Er hilft sowohl präventiv als auch bei akuten Beschwerden wie Halsschmerzen, Erkältungen und Husten; etwas Bio-Honig im Tee unterstützt die antivirale und antibakterielle Wirkung des Salbeis. Lauwarm ist ein konzentrierter Salbei-Aufguss auch ideal zum Gurgeln, etwa zur Munddesinfektion oder bei Zahnfleischentzündungen.

Für die mentalen Abwehrkräfte

Kommen wir nun zum guten Schluss noch zu einer der heiligsten Pflanzen in Indien, dem Tulsi (Heiliges Basilikum). Sie wird bei religiösen Zeremonien in den Tempeln dargebracht, und schmückt die Altäre jedes hinduistischen Haushalts. Tulsi öffnet das Herz und den Geist, fördert die Kraft der Liebe und das Mitgefühl. Sie gilt als universelle Pflanze mit vielen Heilwirkungen. Besonders hervorzuheben ist ihre Wirkung zum Aufbau des Immunsystems, und in Studien konnte eine Anti-Stresswirkung festgestellt werden. Tulsi soll sogar Angstgefühle und Schlafstörungen lindern.

Tulsi Tee ist mittlerweile in vielen Bioläden und Reformhäusern zu finden und verwandt mit unserem heimischen Basilikum, jedoch hat das „Heilige  Basilikum“ einen besonders hohen Anteil an dem ätherischen Öl Eugenol, das stark entzündungshemmend wirkt und dem Tee seinen typischen Nelkenduft verleiht. Tulsi enthält zudem hautschützende Betacarotine sowie starke antibakterielle Pflanzenwirkstoffe wie Polyphenole und Flavonoide.

Sollte der Stresspegel wieder einmal zu hoch werden, empfiehlt sich eine gute Tasse Tulsi Tee, tiefes Durchatmen und Zurücklehnen. Denn nicht nur Ayurveda-Ärzte, sondern auch unser Volksmund weiß: Stress macht krank. In diesem Sinne, sorgen Sie gut für Körper und Seele, so bleiben Sie gesund und munter!